News-Deprivation: Eine stille Gefahr für die Demokratie

Wie informiert sich die Bevölkerung?

Immer weniger Menschen in der Schweiz informieren sich über journalistische Medien – ein Trend mit weitreichenden Folgen. Das aktuelle Jahrbuch Qualität der Medien 2025 des fög zeigt: Fast die Hälfte der Bevölkerung (46,4%) zählt mittlerweile zu den sogenannten „News-Deprivierten“. Diese Gruppe verzichtet entweder ganz auf Nachrichten oder konsumiert sie ausschliesslich über Social Media.

Weniger Wissen, weniger Vertrauen, weniger Beteiligung

Die Studie belegt, dass News-Deprivierte deutlich weniger über politische und gesellschaftliche Themen wissen. Besonders schlecht schneiden jene ab, die sich ausschliesslich über soziale Netzwerke informieren. Das hat Konsequenzen: Weniger Vertrauen in Politik und Medien, geringere politische Beteiligung und eine schwächere Bindung an die demokratische Gesellschaft.

KI-Chatbots: Chance und Risiko für den Journalismus

Künstliche Intelligenz verändert den Zugang zu Informationen. Zwar nutzen 87% der Medienschaffenden bereits KI-Tools – vor allem für unterstützende Aufgaben. Doch wenn Nutzer:innen Informationen direkt über KI-Chatbots beziehen, droht der Journalismus den direkten Draht zum Publikum zu verlieren.

Interessant ist dabei, dass bei Fragen zu aktuellen Ereignissen über 70% der Quellen bei ChatGPT und über 66% bei Perplexity aus journalistischen Medien stammen – meist internationale, aber auch Schweizer Medien. Dennoch erhalten Medienhäuser keine Entschädigung für die Nutzung ihrer Inhalte durch KI-Systeme.

Langfristige Trends: Weniger Vielfalt, mehr Relevanz

Die publizistische Qualität bleibt gemäss fög-Studie stabil, doch langfristig zeigen sich Einbussen bei der Einordnungsleistung und der geografischen Vielfalt. Gleichzeitig steigt die Relevanz journalistischer Inhalte. Die Reichweite sinkt jedoch weiter, während soziale Medien als Hauptinformationsquelle zunehmen.

Positiv zu werten ist, dass die Zahlungsbereitschaft für Online-News ist erstmals seit vier Jahren gestiegen ist – auf 22,5%. Dennoch ist die Mehrheit der Schweizer:innen nicht bereit, für digitale Nachrichten zu zahlen.

Fazit: Journalismus bleibt unverzichtbar

„Eine informierte Bevölkerung braucht professionellen Journalismus“, betont Mark Eisenegger, Direktor des fög. Bildungseinrichtungen und Politik sind gefordert, gezielt in Medienkompetenz und politische Bildung zu investieren. Gleichzeitig muss der Schutz journalistischer Inhalte gegenüber kommerzieller KI-Nutzung verbessert werden – etwa durch faire Vergütung und besseren Schutz geistigen Eigentums.