In der heutigen NZZ ist ein interessanter Artikel zum Lobbying im Bundeshaus zu lesen (https://goo.gl/LgshGd). Die ganze Diskussion um mehr Transparenz ist jedoch reines Schattenboxen. Wer heute noch daran glaubt, Lobbying finde ausschliesslich in der Wandelhalle des Bundeshauses statt, der irrt vermutlich. Es geht viel mehr um das Privileg, den Zutritt zum Bundeshaus gewähren zu können oder mit einem Batch unter Beweis zu stellen, dass man zum vermeintlich innersten Machtzirkel des Landes gehört.

Die Beschränkung der Zutritte und die Offenlegung der Mandate verbessert die Transparenz nur vordergründig. Physische Anwesenheit ist keine Voraussetzung, um Botschaften platzieren zu können. Die Akkreditierung und die Offenlegung der Mandate schützt nicht davor, dass innerhalb oder ausserhalb des Bundeshauses Kontakte gepflegt werden. Mit wem und wozu auch immer. Und selbst Branchenstandards und Verhaltens-Codex vermögen nicht zu verhindern, dass Kleinstagenturen und Einzelpersonen diese umgehen oder schlicht ignorieren.

Schliesslich gehört Lobbying – vernünftig betrieben – zur Politik und dient vor allem der Information der Parlamentarier. Es ist Sache der gewählten Volksvertreter zu entscheiden, auf wen sie hören, wie sie Informationen gewichten und berücksichtigen, und wie sie Einzelinteressen in einem Gesamtkontext einordnen. Eigenverantwortliches und transparentes Handeln der Parlamentarier lässt sich am Ende nicht an Dritte delegieren oder auslagern.

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