Parkplatzkompromiss ist Geschichte

Parkplatzkompromiss ist Geschichte

28. Juni 2019 0 By Martin Arnold

Der Name sagt es eigentlich schon: historischer Parkplatzkompromiss. Vor 23 Jahren von pragmatischen Kräften geschmiedet, dürfte er schon bald Geschichte sein. Das neu zusammengesetzte Stadtzürcher Parlament wird den „Wählerwillen“ durchsetzen, koste es was es wolle. In der bestimmenden SP sind die kühlen, pragmatischen Kräfte zur Mangelware geworden, die Hardliner – von der JUSO vor sich her getrieben – haben das Sagen.

Die Entwicklung war absehbar. Und dies liegt nicht nur an der schwächelnden Auto-Lobby, sondern an der Polarisierung der massgebenden Kräfte. Für die Einen ist der Individualverkehr ein Fetisch, für die Anderen Teufelswerk. Und beide Positionen, so scheint es zumindest, sind nicht verhandelbar. Vergessen geht ob all der Polemik, der Nutzen des individuellen motorisierten Verkehrs – unabhängig von der Art des Antriebs. Denn auch in der Zukunft wird es individuellen Verkehr brauchen, sei es für die Ver- und Entsorgung, das Gewerbe, den Einkauf oder auch für die Freizeit.

Wenn die SP und ihre Verbündeten also tatsächlich etwas für die Stadt tun möchte, dann sollte sie wie in den 90er-Jahren das Gespräch suchen. Dies mit dem Ziel, Verkehr und Parkierung in der Stadt in eine zukunftsfähige Form zu überführen. Und zwar so, dass diese Entwicklung für alle Beteiligten erträglich und verkraftbar ist.

Im Moment spielen die bestimmenden Kräfte in der Stadt aber noch nonchalant ihre Macht aus. Darüber können auch die in PR-Sprech-Wattebäuschchen verpackten Mitteilungen der Parteioberen nicht hinwegtäuschen. Besonnene Kräfte sollten nun aber nicht der Versuchung erliegen, alles kurz und klein zu reden. Schliesslich wird auch die mächtige Stadtzürcher SP nicht alles alleine bestimmen können. Da wird die Baudirektion des Kantons noch ein Wörtchen mitzureden haben. Und erst dann wird es richtig spannend…

Kommentar von Daniel Fitzsche in der NZZ: https://www.nzz.ch/zuerich/parkplatzkompromiss-zuerich-der-anti-auto-lobby-fehlen-die-gegner-ld.1492260