Die Lehre von der Schwerkraft

20. April 2012 Off By Martin Arnold

Im Bereich der Altersvorsorge stehen weitgehende Eingriffe bevor, wenn wir mit diesem an sich bewährten System nicht zur Bruchlandung ansetzen wollen.

Wie die Schwerkraft funktioniert, erfahren wir täglich. Wie wir sie überwinden können, haben uns die Brüder Montgolfier und Wright aufgezeigt. Dabei gilt es, klare physikalische Gesetzmässigkeiten zu beachten. Andernfalls droht die Bruchlandung.

Ähnliche Gesetzmässigkeiten gelten auch in der Altersvorsorge: Sie basieren im Wesentlichen auf der Höhe und Dauer der Beiträge sowie der Lebenserwartung der Versicherten. Dazu kommendie Erträge an den Kapitalmärkten als Variable. Verändert sich nun die Demographie von Erwerbstätigen und Rentnern, lässt sich das System nicht ohne Anpassungen weiterführen, wenn der Absturz verhindert werden soll. Etwas anders sehen dies offenbar dieGewerkschaften und der Bundesrat. Sie glauben, die Schwerkraft liesse sich – sozusagen politisch – ausser Kraft setzen. Bundesrat Berset findet, die Diskussion um die Altersvorsorge sei zu stark von «technischen» Fragen geprägt. Schliesslich seien die «wesentlichen» Themen der langfristigen Sicherung der Altersvorsorge politischer Natur. Und die Gewerkschaften blenden die längerfristigen Finanzierungsprobleme der Altersvorsorge schlicht aus und negieren sie. Sie hoffen einzig auf die fetten Erträge der sonst so verteufelten Finanzmärkte. Über Anpassungen der Leistungen, der Beiträge oder des Rentenalters lassen sie nicht mit sich verhandeln. Auf diese Weise bricht das System unserer Altersvorsorge aber früher oder später zusammen. Und je länger mit Kurskorrekturen zugewartet wird, desto schmerzhafter wird der Aufprall auf dem Boden der Realität sein.

Erfreulicherweise hat nun der Arbeitgeberverband einmal mehr Alarmzeichen gegeben und dazu aufgerufen, Ballast abzuwerfen. Zweifellos ist es höchst unpopulär, über tiefere Renten, höhere Beiträge und längere Erwerbstätigkeit zu sprechen. Aber die Thematik ist unumgänglich, früher oder später. Schliesslich kann es nicht im Interesse der Linken und der Gewerkschaften sein, wenn die Umverteilung von den Erwerbstätigen zu den Rentnern immer grösser wird. Und allein mit dem Prinzip Hoffnung (auf die Kapitalmärkte) sollte man sich nicht in die Lüfte schwingen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben hier eine gemeinsame Verantwortung zu tragen.

Sicher ist: Unter den Bedingungen, die derzeit in unserer Altersvorsorge herrschen, würde sich Bertrand Piccard niemals entschliessen, mit seiner «SolarImpulse» abzuheben. Auch wenn er die Gesetzmässigkeiten der Physik bis aufs Letzte ausreizt.